>NESTER

oder Deutsche Klarsicht eine moralische Anstallt

Eine Performative Installation

im Hotel „Schiller“ in Meiningen
nach einer Winterwanderung
von Nicolas Galeazzi

am JungeHunde Festival 05

Im Februar `04 unternahm ich eine Wanderung. Mit Schuberts Liederzyklus “die Winterreise” in der Hosentasche, zog ich los aus meinem Berliner Domizil Richtung Zürich. Eine Strecke die ich sonst meistens überflog oder wie eine Rohrpostsendung in den Deutschen ICE Zügen durchflitzte.
Schritt für Schritt, ohne zu wissen wo ich durchgehen werde, oder welche Ortschaften dazwischen liegen würden, konnte ich einen ganz eigenen Weg gehen. Ich zog unter der Lupe meiner subjektiven Wahrnehmung eine Linie durch diese Landschaft und entdeckte das, worauf ich stieß. Nach gut drei Wochen Wandern landete ich in Schweeinfurt.
Auf der Wanderschaft bin ich Nomade. Meine Füße beschreiben kleine Bögen. Sie lassen sich für kurze Zeit am Boden nieder, dann heben sie wieder ab und suchen einen neuen Stand - wieder nur für kurze Zeit. In der Nacht muss geschlafen werden. Und irgendwann komme ich an einem Ziel an, das nie ein Endpunkt sein wird. Ich habe einiges liegenlassen und vieles mitgenommen.


Nest
Ich habe an verschiedenen Orten Nester gebaut. Nester aus Holz, Ästen und Zweigen. Nicht für Vögel, sondern für mich. Irritierend zu große Objekte am Wegrand. Manchmal habe ich darin übernachtet. Sie stehen jetzt und verwittern, als Zeugen des Vorüberziehens, zum Beispiel auf dem ehemaligen Grenzstreifen zwischen Ost und West, in einer verwaisten Fabrikhalle bei Naumburg, oder in einer Kurve an der Elbe.